Leben im Heimatmuseum Reinach

0 Schreck! Drei offenbar unbeaufsichtigte Kinder eilen durch die heiligen Räume des Heimatmuseums. Bei einem grossen Holzgerät bleiben sie stehen, und jetzt wird es ganz schlimm: Sie packen eine grosse Kurbel, beginnen am altehrwürdigen Museumsobjekt zu drehen, und eine Staubwolke fegt aus der "Röndle" oder "Windfege". Die dürfen das! Ihre Lehrerin hat nämlich den Kurs "Schule im Heimatmuseum Reinach" besucht und das entsprechende Handbuch gelesen. Nun ist sie mit ihren Kindern daran, eines der dabei erarbeiteten Klassenprogramme durchzuspielen. Der anfangs erwähnte Schreck darf vergessen werden, Konservator und Museumsaufsicht sind im Bild und freuen sich über die lebendigen Aktivitäten der Schülerinnen und Schüler.

Seit 1962 besteht das Heimatmuseum Reinach. Initiantin und Trägerin ist die Reinacher Zunft zu Rebmessern. Deren Museumskommission sorgt in aufwendiger Arbeit für eine ständige Erneuerung und Verbesserung der Präsentation des Ausstellungsgutes. Das Museum ist im Laufe der Jahre sehr gewachsen, seit 1988 belegt es ein eigens zu diesem Zwecke umgebautes Bauernhaus im Dorfkern von Reinach. Die grosse Sammlung umfasst in erster Linie Objekte des dörflichen Bauern- und Handwerkerlebens aus dem ausgehenden 19. und dem beginnenden 20. Jahrhundert. Es gibt aber auch einiges aus der Urgeschichte zu sehen bis hin zur Rekonstruktion eines Grubenhauses aus karolingischer Zeit.


Schule im Heimatmuseum

Früher hatten wir in Reinach zum Glück einige begeisterte Museumsführer, die mit ihren faszinierenden Erläuterungen auch zapplige Schulkinder so fesseln konnten, dass ihnen ganze Klassen zwei Stunden lang mit offenen Mäulern folgten. Wir denken da u.a. an den unvergesslichen Ernst Feigenwinter. Auch das ist eine Form von Museumspädagogik! Trotz des breiten und interessanten Angebots besuchten in den letzten Jahren immer weniger Schulklassen das Museum. Das gab der Museumskommission den Anstoss, in der neuen Museumspädagogik nach weiteren Formen der Museumsarbeit zu suchen und Schulunterlagen erarbeiten zu lassen. Wir, Fredi Kilchherr, Präsident der Museumskommission, und Hansjörg Hänggi sind zwei Primarlehrer aus Reinach, die dafür von der Gemeinde von der Schularbeit freigestellt wurden, um diese Aufgabe zu übernehmen.


Unsere Arbeit

Etwas blauäugig liefen wir in der Anfangsphase durchs Museum und entwarfen ein Grobkonzept. Im Hinterkopf hatten wir unsere Vorstellungen von Sachunterricht und üblichen Arbeitsblättern. Damit gingen wir zu den Museumsfachfrauen der Region, Dorette Haltinner und Sabine Kubli, und suchten das Gespräch. Sehr subtil erläuterten sie uns die neuen Arbeitsweisen der Museumspädagogik. Eigenständiges Handeln der Kinder, direkter und emotionaler Objektbezug und Anregung zu phantasie- und humorvoller Begegnung mit dem Ausstellungsgut wurden in der Folge zu unseren Prinzipien. In diesem Sinne vorbildhaft waren für uns auch die Arbeit und Aktion "Weiden und Korberei in Reinach" von Elisabeth Wirth-Vischer und die entsprechende Ausstellung im Heimatmuseum.

So entstand ein Handbuch für Lehrpersonen unter dem Titel "Schule im Heimatmuseum". Es enthält fünf Klassenprogramme. Ein erstes macht Vorschläge für eine sinnvolle Vorbereitung eines Museumsbesuchs, vier weitere zeigen Möglichkeiten für die Arbeit im Museum unter den Titeln "Heute - früher", "Rosinenwerkstatt", "Steckbriefe" und "Feuer und Flamme". Auch das neugeschaffene Museumslied fehlt nicht.


Umsetzung

Das Handbuch steht jetzt in allen Lehrerzimmern von Reinach, und seine Inhalte wollen umgesetzt werden. Mit Einführungskursen im Museum machen wir nach und nach alle Lehrpersonen mit den Klassenprogrammen vertraut und zeigen ihnen die neuen Möglichkeiten, mit Museumsobjekten und -einrichtungen (z.B. Schmiedewerkstatt) umzugehen. Vielleicht können später auch weitere interessierte Personen eingeführt werden.


Unsere Vision, unser Traum

Wir beide arbeiten als vollamtliche Museumspädagogen und Animatoren im Heimatmuseum Reinach. Täglich kommen Klassen, einzelne Kinder und Erwachsene zu uns. Hier können sie sich vielfältig betätigen: korben, schmieden, in der Backstube Brot backen, hecheln, spinnen, weben, töpfern, im selbstgebauten Brennofen brennen, Bronze und Eisen bearbeiten, den Bauerngarten bepflanzen oder die Früchte ernten. Damit öffnen wir unser Museum noch mehr, und es bleibt nicht ein Haus, wo nur alte Dinge gehütet werden. Unser Traum ist, dass sich an diesem Begegnungsort die Menschen näherkommen, dass sie aus der Vergangenheit lernen und offen werden für die Zukunft.

Folgende Klassenprogramme stehen zur Verfügung

Hansjörg Hänggi Elisabeth Wirth-Vischer